Samstag, 13. Mai 2017

Wie ich es schaffte meinen Körper zu lieben - von Lipstick


Eine schwierige Beziehung

Seitdem ich denken kann, hadere ich mit meinem Körper und wie er aussieht. Als Kind und Teenager war ich eher pummelig, was auch mein Umfeld nicht unkommentiert ließ. Schon früh waren Diäten und abnehmen daher ein Thema für mich.

Mit 13 wollte ich endlich auch schön, ergo schlank sein und verweigerte jedes Essen nach 16 Uhr. Dinner Canceling – hatte ich mal irgendwo gelesen, sollte super sein um dem Ideal vom schlanken Körper näher zu kommen. In meinem Kopf zählte ich jeden kleinen Bissen Essen zusammen, den ich zu mir nahm um nicht die Kontrolle zu verlieren. Jeden Morgen bestimmte die Zahl auf der Waage ob ich mit guter oder schlechter Laune in den Tag starten würde.

Durch diese Selbstkasteiung schaffte ich es für circa zwei Jahre sehr schlank zu sein. Mit dem Ergebnis, dass sich in meinem Außen nichts änderte. Die Menschen, die mich zuvor wegen meines Übergewichts gehänselt hatten, fanden jetzt eben eine andere Angriffsfläche.

Glücklicherweise konnte ich mein gestörtes Essverhalten nicht lange aufrechterhalten, sodass sich mein Körpergewicht allmählich normalisierte. Ein gutes Verhältnis zu meinem Körper hatte ich aber deshalb noch lange nicht.

Körperliebe = Fitnesswahn ?

Heute gibt es statt Magerwahn ein neues Trendthema in der Fitnessindustrie – die Liebe zum eigenen Körper. Von überall schreit man uns entgegen – „Liebe deinen Körper“. Eigentlich eine wunderbare Sache, den eigenen Körper wahrhaft lieben… wenn uns da nicht im nächsten Atemzug gesagt würde wie diese Liebe auszusehen hat.

Die Aufforderung kommt nämlich meist von wunderschön durchtrainierten Anbietern diverser Fitnessprogramme. In X Wochen zum Traumkörper! Das Motto sinngemäß: „Wenn du dich an meinen Plan hältst, dann tust du deinem Körper Gutes und dann liebst du ihn auch so richtig. – Versprochen!“

Also ich soll meinen Körper lieben, aber bitte so sehr lieben, dass ich ihn dann verändere, optimiere und um Himmels willen endlich fit werde.

„Strong is the new skinny!“ – Stark ist das neue dünn. Muskulös statt mager ist jetzt also trendy. Hungern ist out – pumpen und Eiweiß essen ist angesagt!

Ich finde es gut und wichtig regelmäßig Sport zu machen und sich gesund zu ernähren. Dass das wichtig für die Gesunderhaltung des Körpers ist, ist wohl hinreichend bekannt.

Doch warum muss es immer dieses Extrem sein?

Warum wird immer suggeriert, dass mein Körperfettanteil so gering sein muss wie der des Magerquarks, den ich mir kiloweise reinziehe, wenn ich gesund und fit sein will?

Wie oft sehe ich, zugegeben wunderschöne, durchtrainierte Menschen auf Instagram und Youtube und bin verleitet zu glaube, dass das ein gutes Ziel für mich ist?

Ist es legal sich ohne sichtbares Sixpack als gesund und fit zu bezeichnen?

Liebe entsteht durch Wertschätzung

Mein Traum ist es, mich irgendwann einfach so richtig wohl in meinem Körper zu fühlen und nicht ständig danach zu streben ihn irgendwie zu verbessern. In meiner Vorstellung mache ich dann tiefenentspannt Sonnengrüße in stylischen Yoga-Klamotten und bin totaaal mit mir im Reinen.

Mit der Realität hat das alles aber leider nicht viel zu tun. Aber ich habe einen anderen Weg für mich gefunden um meinem Ziel zumindest etwas näher zu kommen.

Ich habe begonnen jeden Tag wertzuschätzen was für ein verdammtes Wunder mein Körper ist.

Jeden Tag bringt mich mein Körper durch den Tag und macht alles mit, was ich so treibe. Laufen, Baby tragen, zu viel essen, sehen, hören, atmen und so nebensächlichen Kram. Ach ja und nebenbei hat mein Körper vor etwa einem Jahr noch einen neuen Menschen erschaffen und zur Welt gebracht.

Wenn man sich diese immense Leistung einmal vor Augen hält, ist es eigentlich unmöglich den Körper nicht wertzuschätzen. Jeden Abend halte ich mir vor Augen, welch enormes Glück ich habe, dass mein Körper so gut für mich funktioniert und arbeitet. Ist eine kleine Rolle Bauchspeck da nicht einfach total egal? Ja, ist es nicht beinahe schon unverschämt den Körper wegen äußerlicher Makel zu rügen, bei allem was er für uns tut?

Jeden Abend bedanke ich mich also bei meinem Körper für seine gute Arbeit… und mache jeden Tag ein 15 – 20 Minuten Tone it up - Workout mit Karena und Katrina. Hä? Wie jetzt?

Der Unterschied zu früher ist, ich mache dieses Workout nicht für die vermeintliche Bikini Figur oder die Größe 36, sondern weil es meinem Körper gut tut, weil es ihm hilft zu funktionieren. 

Diese 15 – 20 Minuten täglich sind mein kleiner bescheidener Dank an meinen Körper. Ich finde er hat es mehr als verdient.

Wann hast du deinen Körper das letzte Mal so richtig wertgeschätzt?

Nachtrag: Einen wundervollen Podcast, der das ganze auf den Punkt bringt, findet ihr bei der wundervollen Laura Malina Seiler

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